Naturschutzgebiete auch unter Nutzung natürlicher Grenzen?
(Ggf. auch Schaffung solcher?)
Naturschutz auch als "Selbsthilfe!"
NSG ober- wie unterirdisch?
Biosphärenreservat als "hochgestecktes" Endziel?
Zukünftige Zielsetzung des Naturschutzes bei Massensterben durch Klimawandel(Microsoft Copilot Recherche)
Zukunft des Naturschutzes: Neue Zielsetzungen, Strategien und Innovationen für den Schutz der Biodiversität in Zeiten des Massensterbens und Klimawandels
Einleitung
Der fortschreitende Biodiversitätsverlust hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer der tiefgreifendsten ökologischen Krisen unserer Zeit entwickelt. Die biologische Vielfalt – das Fundament unserer Ökosysteme und Lebensgrundlage für die Menschheit – ist durch den Einfluss des Menschen in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit bedroht. Das „sechste große Massensterben“, ausgelöst primär durch Lebensraumzerstörung, Umweltgifte, invasive Arten und nicht zuletzt den Klimawandel, rückt drängender denn je auf die politische und gesellschaftliche Agenda. Inzwischen sehen Prognosen einen weiteren rapiden Rückgang von Arten und Lebensräumen bevorstehen, sollten nicht entschlossene Gegenmaßnahmen folgen.
Diese ökologisch katastrophale Lage fordert zu einer grundlegenden Neubewertung und Neuausrichtung der Zielsetzungen des Naturschutzes heraus. Die globalen Veränderungen – von der Erderwärmung über Extremwetterereignisse bis zur Erwärmung der Ozeane – verlangen nicht nur nach bewährten, sondern vor allem nach innovativen, transformativen und integrativen Ansätzen. Dabei verschieben sich die Prioritäten von der reinen Bewahrung hin zu umfassenden Ansätzen der Wiederherstellung, Resilienzbildung, Integration traditioneller und technologischer Lösungen sowie international abgestimmter Strategien.
In diesem Bericht werden die aktuellen und zukünftigen Trends, Strategien, politischen Instrumente, wissenschaftlichen Konzepte und internationalen Kooperationen dargestellt, die in der gegenwärtigen Debatte und Praxis des Naturschutzes diskutiert oder schon implementiert werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Rolle des Klimawandels als Katalysator für neue Zielsetzungen – einschließlich naturbasierter Lösungen (NbS), der Wiederherstellung von Ökosystemen, Finanzierungstrends, Digitalisierung und Unternehmensengagement sowie dem Einbezug traditionellen Wissens und partizipativer Governance-Modelle.
1. Neue Zielsetzungen des Naturschutzes im Zeichen des Artensterbens und Klimawandels
Die Zielsetzungen des Naturschutzes entwickeln sich dynamisch weiter, um den sich beschleunigenden Veränderungen – insbesondere durch anthropogene Klimafaktoren – zu begegnen. Wo klassisch das Primat der Arten- und Habitaterhaltung dominierte, gewinnt das Paradigma eines systemischen, resilience-orientierten und sozial-ökologisch integrierten Naturschutzes an Bedeutung2.
1.1. Trendumkehr beim Artensterben als politisches Ziel
Ein zentrales Ziel bleibt die Trendumkehr beim Artensterben. Die neue Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030 (NBS 2030) sowie der Globale Biodiversitätsrahmen (GBF) von Kunming-Montreal setzen explizit darauf, den Artenschwund bis 2030 nicht nur zu verlangsamen, sondern umzukehren und die Grundlagen für eine nachhaltige Naturentwicklung bis 2050 zu legen4.
1.2. Integration von Klima- und Biodiversitätspolitik
Ein wesentlicher Zukunftstrend ist die konsequente Integration des Natur- und Klimaschutzes. Die engen Wechselwirkungen zwischen Biodiversitäts- und Klimakrise werden zunehmend als Zwillingskrise begriffen, die nur mit kombinierten Ansätzen adressiert werden kann1.
1.3. Wiederherstellung und Resilienz von Ökosystemen
Statt reinem Schutz rückt die Wiederherstellung degradierter Ökosysteme und die Steigerung ihrer Resilienz ins Zentrum. Ziel ist es, natürliche Prozesse so zu stärken, dass sie künftigen Störungen besser standhalten und sich schneller regenerieren können, um das Risiko ökologischer Kipppunkte zu minimieren8.
1.4. Stärkung naturbasierter Lösungen (NbS) als Querschnittsansatz
Naturbasierte Lösungen werden als zentrales Instrument zur Erreichung multipler politischer Ziele betrachtet: Biodiversitätsschutz, Klimaanpassung, Kohlenstoffbindung und menschliches Wohlbefinden.
1.5. Digitalisierung, Innovation und Monitoring
Der Einsatz von digitalen Monitoring-Tools, Big Data, KI und eDNA-Technologien ermöglicht ein neues Niveau an Biodiversitätsüberwachung und effiziente Maßnahmenplanung in Echtzeit12.
1.6. Teilhabe und transdisziplinäre Ansätze
Nicht zuletzt wird die Beteiligung diverser Akteure (Wirtschaft, Bürgerschaft, Indigene, Gemeinden) und die Integration traditionellen wie wissenschaftlichen Wissens immer stärker als Erfolgsfaktor für einen wirksamen und zukunftssicheren Naturschutz erkannt15.
2. Politische Maßnahmen: Von der globalen Rahmensetzung bis zur nationalen Strategie
Die politische Flankierung des Naturschutzes folgt derzeit einem multiplen System abgestufter Strategien – von den Vereinten Nationen bis zu lokalen Pilotinitiativen. Hier stehen ambitionierte Zielkorridore für 2030 und 2050, konkrete Verpflichtungen sowie neue Steuerungs- und Finanzierungsmechanismen im Zentrum.
2.1. Der Globale Biodiversitätsrahmen von Kunming-Montreal (GBF)
Der im Dezember 2022 verabschiedete Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework markiert einen Paradigmenwechsel: Erstmals verpflichten sich die Staaten, nicht nur Schutz-, sondern auch umfangreiche Wiederherstellungsmaßnahmen systematisch umzusetzen. Zentrale Ziele und deren Maßnahmen sind:
|
Neue Zielsetzung |
Maßnahme |
|---|---|
|
Mindestens 30 % Schutzgebiete weltweit (bis 2030) |
Ausweisung geschützter Zonen, effektives Management |
|
30 % Wiederherstellung degradierter Ökosysteme |
Renaturierungsmaßnahmen, Monitoring, Finanzierung |
|
Halbierung biodiversitätsschädlicher Subventionen |
Politikreformen, Umschichtung von Fördermitteln |
|
Reduzierung von Pestizid- und Nährstoffeinsatz um 50 % |
Striktere Gesetzgebung, Förderprogramme für nachhaltige Landwirtschaft |
|
Stärkere Einbindung indigener und lokaler Gemeinschaften |
Rechtliche Anerkennung, Partizipation |
|
Nachhaltige Finanzierung in Höhe von 200 Mrd. USD/Jahr |
Einrichtung eines Biodiversitätsfonds, Mobilisierung privater Mittel |
Diese internationalen Ziele werden auf nationaler Ebene in Strategien umgesetzt und überprüft, wobei nationale Biodiversitätsstrategien und Aktionspläne verpflichtend sind und durch Bilanzierungs- und Nachsteuerungsmechanismen gestützt werden17.
2.2. EU-Biodiversitätsstrategie für 2030
Als größte internationale Rechtsgemeinschaft setzt die EU seit 2020 die Biodiversitätsstrategie 2030 um. Schlüsselelemente sind die Ausweitung von Schutzgebietsflächen auf mindestens 30 % der Land- und Meeresflächen der EU, rechtlich verbindliche Ziele zur Wiederherstellung der Natur (Nature Restoration Law), die Umkehr des Rückgangs von Bestäubern, und die Reduktion von Pestizideinsatz sowie die Förderung ökologischer und agroökologischer Bewirtschaftungsformen19.
2.3. Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt Deutschland (NBS 2030)
Die jüngst novellierte NBS 2030 bildet den Rahmen für die deutsche Biodiversitätspolitik – mit 21 Handlungsfeldern, 64 konkret formulierten Zielen und über 250 Maßnahmen bis 2027. Schwerpunkt ist nicht mehr allein klassischer Artenschutz, sondern eine systemische Verbindung von Artenschutz, Ökosystemwiederherstellung, Klimaadaption, Digitalisierung, nachhaltiger Wirtschaft und gesellschaftlicher Transformation. Zentrale Aspekte:
Umsetzung internationaler Vereinbarungen (GBF, EU-Strategie)
Renaturierung als Schlüssel zur Trendumkehr
Ausbau des natürlichen Klimaschutzes (insbesondere Moore, Wälder, stadtnahe Flächen)
Integration von Biodiversitätsaspekten in alle gesellschaftliche Bereiche (Bildung, Stadtentwicklung, Landwirtschaft, Wirtschaft, Finanzen)
Ausbau des digitalen Monitorings und Förderung der Bürgerbeteiligung (z.B. Citizen Science, Dialogplattformen)
Dialog- und Umsetzungsprozesse mit systematischer Beteiligung aller relevanten Akteure322.
2.4. Finanzierungsinstrumente und Unternehmensverantwortung
Angesichts des enormen Finanzierungsbedarfs rücken neue Mechanismen wie Biodiversitätsfonds, ökologische Steuern, die Einbeziehung der Biodiversität in die EU-Taxonomieverordnung und die Verpflichtung zur Offenlegung von Naturauswirkungen in Unternehmensberichten in den Fokus. Deutschland steigert seine internationale Finanzierung für Biodiversität ab 2025 auf 1,5 Mrd. Euro jährlich und unterstützt Entwicklungsländer gezielt24.
2.5. Nationale und sektorale Programme
Klassische und neue Programme wie das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK), die Nationale Moorschutzstrategie, das Bundesprogramm Stadtnatur und gezielte Aktionspläne für besonders bedrohte Arten (Artenhilfsprogramme) unterstützten die praktischen Umsetzungen der Strategien vor Ort25.
3. Wissenschaftliche Konzepte, Innovationen und neue Methoden im Naturschutz
Die wissenschaftliche Landschaft des Naturschutzes ist geprägt von einer Reihe innovativer Konzepte, die klassische Schutzansätze erweitern, systematisieren oder transformieren. Im Zentrum stehen die Resilienztheorie, naturbasierte Lösungen (NbS), der One-Health-Ansatz sowie neue Monitoring- und Bewertungsmethoden bis hin zu KI-gestützter Entscheidungsunterstützung und eDNA-Technologien.
3.1. Naturbasierte Lösungen (NbS)
Naturbasierte Lösungen umfassen Schutz, Wiederherstellung und nachhaltige Nutzung von Ökosystemen, um gesellschaftliche Herausforderungen – insbesondere Klimawandel, Artenverlust, Wasser- und Nahrungssicherheit – zu adressieren26. Zentrale Merkmale:
Sie integrieren Biodiversitäts- und Klimapolitik und sind nachweislich kosteneffizient und multifunktional.
Zu den Schlüsselmethoden zählen die Wiederherstellung von Mooren, Wäldern, Mangroven, städtische Begrünungsmaßnahmen, nachhaltige Landwirtschaft und Bodennutzung.
Die Umsetzung erfordert sorgfältige Planung nach den Standards der International Union for Conservation of Nature (IUCN) und auf Basis der jeweiligen lokalen Bedingungen.
NbS sind, wie der IPBES-IPCC-Bericht betont, kein Ersatz für drastische Emissionsminderung, sondern ein integratives Komplement, um das Zeitfenster für die Transformation zu erweitern und negative, oft irreversible Kipppunkte zu vermeiden1.
3.2. Wiederherstellung von Ökosystemen
Ökosystem-Renaturierung ist ein zentrales Thema der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen (2021–2030). Die Wiederherstellung gilt als systemischer Ansatz, der Lebensraum für Arten schafft, Kohlenstoff bindet, Wasserhaushalte reguliert und das menschliche Wohlbefinden stärkt28.
Konkrete Anwendungsfelder:
Wiedervernässung von Mooren
Aufforstung natürlicher Wälder (keine Monokulturen)
Renaturierung von Fließgewässern und Wiederanschluss von Auen
Küstenschutz durch Mangroven, Seegraswiesen und Salzmarschen
Urbane Grüninfrastruktur zur Reduktion urbaner Hitzeinseln und Förderung der Stadtnatur30.
3.3. Resilienz und adaptives Management
Sie bilden die theoretische und praktische Grundlage für die Anpassung von Schutzstrategien an unvorhersehbare, sich verändernde Rahmenbedingungen. Resiliente Ökosysteme sind in der Lage, nach Störungen zurückzukehren oder neue stabile Zustände aufzubauen, ohne grundlegende ökosystemare Funktionen zu verlieren33.
Neue Forschungsprojekte, u.a. vom BfN und Ecologic Institut, entwickeln Evaluations- und Handlungskonzepte für Klimaresilienz, die rechtlich und organisatorisch in zukünftige Schutzmaßnahmen integriert werden können25.
3.4. Carbon Dioxide Removal (CDR) und Biodiversität
Ein aufkommendes Feld mit Chancen und Risiken ist die CO2-Entnahme (CDR). Hier werden technologische wie naturbasierte Ansätze (Pflanzenkohle, BECCS, DACCS, gesteinsbasierte Methoden) auf ihre Auswirkungen für Biodiversität und Ökosysteme geprüft. Ein zentrales Problem ist, dass manche CDR-Methoden mit Flächen- und Nutzungskonflikten einhergehen können – z.B. Aufforstungen auf Naturschutzflächen oder Monokulturen statt artenreicher Wälder35.
Die grundsätzliche wissenschaftliche Empfehlung lautet, CDR nur biodiversitätsfreundlich umzusetzen, Zielkonflikte zu vermeiden und Biodiversitätsaspekte in die Bewertung und Steuerung einzubeziehen.
3.5. Digitalisierung, eDNA und KI-basierte Monitoringtools
Die Weiterentwicklung der digitalen und genetischen Monitoringtechniken ermöglicht ein revolutionär genaueres Monitoring von Arten, Populationen und Habitaten:
eDNA-Analysen (environmental DNA) erlauben die Erfassung selbst seltenster Arten anhand von DNA-Spuren in Wasser, Böden oder Luft und werden mit Drohnentechnologie kombiniert12.
Satelliten- und Fernerkundungstechnologien erfassen Veränderungen in großen Schutzgebieten und unterstützen prozessbasierte Modellierungen (z.B. im Moor-Management).
KI-gestützte Datenauswertung erkennt Muster und Trends in riesigen Biodiversitätsdatenbanken, was das adaptive Management enorm beschleunigt.
3.6. One Health-Ansatz und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
Die Verbindung zwischen Natur-, Umwelt-, und Gesundheitsschutz manifestiert sich im One Health-Konzept, das sektorenübergreifend erforscht und gehandhabt wird (etwa Prävention pandemischer Risiken durch intakte Ökosysteme). Zusätzlich spielt Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) eine zentrale Rolle bei der Sensibilisierung für Biodiversität und transformative Handlungsbereitschaft.
3.7. Agroökologische und multifunktionale Ansätze
Die Förderung biodiversitätsfreundlicher, multifunktionaler Landnutzungssysteme – etwa Agroforstsysteme – verbindet Biodiversitätsförderung mit landwirtschaftlichen Produktionszielen, verbessert Bodengesundheit, Schädlingskontrolle und Klimaresilienz37.
4. Internationale Kooperationen, Governance und Finanzierungsarchitekturen
Der Schutz der Biodiversität ist als globale Aufgabe anerkannt. Kein Land kann die Krise isoliert bewältigen. Daher wächst die Bedeutung multilateraler und transsektoraler Netzwerke, neuer Governance-Modelle und innovativer Finanzarchitekturen.
4.1. Multilaterale Konventionen und Rahmenwerke
Neben dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) zählen UNFCCC (Klimarahmenkonvention), UNCCD (Wüstenbekämpfung), CITES (Artenschutzübereinkommen) und weitere Abkommen sowie regionalspezifische Verträge (etwa die Ramsar-Konvention für Feuchtgebiete, die Berner Konvention zum Artenschutz in Europa etc.) zu den institutionellen Pfeilern der globalen Biodiversitätspolitik. Diese werden zunehmend untereinander verknüpft, um Synergien zu nutzen und Doppelstrukturen zu vermeiden4.
4.2. UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen
Mit der UN-Dekade 2021–2030 steht erstmals die globale Wiederherstellung im Zentrum, nicht nur der Erhalt. Die Dekade bündelt Maßnahmen aus Klima-, Biodiversitäts- und Bodenschutz und setzt auf politische Verstetigung, Kapazitätsaufbau und Bildung sowie direkte Förderung von Leuchtturmprojekten und partizipative Plattformen9.
4.3. Finanzierung und Ressourcenmobilisierung
Eines der größten Innovationsfelder ist die Sicherstellung nachhaltiger und gerechter Biodiversitätsfinanzierung. Der GBF sieht u.a. folgende Mechanismen und Zielgrößen vor:
30 Milliarden USD/Jahr bis 2030 aus dem globalen Norden
200 Milliarden USD/Jahr weltweit für Biodiversitätsschutz und -wiederherstellung17.
Abbau biodiversitätsschädlicher Subventionen (Ziel: 500 Milliarden USD/Jahr)
Einrichtung eines neuen Global Biodiversity Framework Fund39.
Synergien mit dem Climate Finance und innovative Instrumente wie Payment for Ecosystem Services, grüne Anleihen oder Impact Investing24.
Privater Sektor und Finanzinstitute werden zunehmend verpflichtet, ihre Naturauswirkungen darzulegen und Biodiversitätsrisiken zu managen. Unternehmen nehmen Biodiversität analog zum Klimaschutz als Kernthema ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung auf, etwa über CSRD/ESRS und TNFD-Anforderungen41.
4.4. Unternehmensengagement und nachhaltige Wertschöpfungsketten
Immer mehr Unternehmen, insbesondere im Agrar-, Rohstoff- und Finanzsektor, erkennen Biodiversitätsschutz als strategische Aufgabe. Formen des Engagements reichen von der Förderung naturnaher Firmengelände, Integration in Wertschöpfungsketten bis zu Initiativen wie „Biodiversity in Good Company“ oder globalen Rahmenwerken (SBTN, TNFD)42.
4.5. Einbindung traditionell-ökologischen Wissens und indigene Governance
Indigene Völker schützen nach UN-Angaben 80 % der globalen Biodiversität – obwohl ihre Territorien weniger als 25 % der Landfläche umfassen15. Die Anerkennung indigener Rechte, der Schutz von Territorien und die politische Einbindung ihres Wissens werden weltweit immer stärker als essenzieller Erfolgsfaktor für Biodiversitäts- und Klimaschutz anerkannt. Beispiele sind rechtliche Innovationen wie die Anerkennung natürlicher Entitäten (Flussrechte in Neuseeland) oder Wissenstransferprogramme in der Landwirtschaft.
4.6. Bottom-up-Ansätze: Urban Gardening und stadtnahe Naturschutzmaßnahmen
Städte werden zu Hotspots innovativer Naturschutzmaßnahmen. Programme wie Urban Gardening, Schwammstadt-Initiativen, Biodiversitätsmaßnahmen in öffentlichen und privaten Gärten sowie die Schaffung urbaner Biotope tragen zur Steigerung der Biodiversität, Klimaresilienz und Lebensqualität bei43.
5. Zusammenfassende Tabelle: Neue Zielsetzungen und zugehörige Maßnahmen
|
Zielsetzung |
Maßnahme |
|---|---|
|
Trendumkehr beim Artensterben |
Nationale Artenhilfsprogramme, Monitoring, Rote Listen, Habitat-Renaturierung |
|
Integration von Klima- und Biodiversitätspolitik |
Anwendung von NbS, gemeinsame Strategien, IPBES-IPCC-Kooperation |
|
Wiederherstellung degradierter Ökosysteme |
Aufforstung, Moorrenaturierung, Renaturierung urbaner und mariner Flächen, Nature Restoration Law |
|
Carbon Dioxide Removal (CDR) |
Wiedervernässung, Bewertung der Biodiversitätsverträglichkeit, Forschung zu neuen Methoden |
|
Stadtnahe Naturschutzmaßnahmen |
Urban Gardening, Schwammstadtkonzepte, Grünflächenförderung, städtische Biodiversitätsprojekte |
|
Digitalisierung und KI |
Ausbau digitaler Monitoringtools, KI-gestützte Mustererkennung, eDNA, Citizen Science |
|
Bildung und Teilhabe |
Nachhaltige Entwicklung, BNE, Förderung ehrenamtlichen Engagements, Wissenschaftskommunikation |
|
Unternehmen & Finanzen |
Offenlegung biodiversitätsbez. Risiken, Sustainable Finance, Integration in CSR-Strategien |
|
Förderung traditioneller und indigener Ansätze |
Partizipation indigener Gruppen, Einbindung traditionellen Wissens, rechtliche Territoriensicherung |
|
Internationalisierung & Governance |
Umsetzung von CBD, GBF, Kooperationen (G7/G20), Bilanzierungsstandards, Synergie mit SDGs |
|
Agroökologische Systeme und Multifunktionalität |
Förderung von Agroforstsystemen, Reduktion von Pestiziden, Humus- und Bodenschutz |
|
Monitoring und Forschung |
Ausbau der Forschungsprogramme, Entwicklung von Indikatoren, Integration multiskalarer Ansätze |
|
Finanzierung und Innovationsarchitekturen |
Biodiversity Finance Plans, Biodiversitätsfonds, Abbau schädlicher Subventionen, Impact Investing |
|
Resilienz & adaptives Management |
Entwicklung praxisnaher Klimaresilienzkonzepte, Pilotprojekte, adaptive Managementsysteme |
6. Ausblick: Verschiebung der Prioritäten und innovative Zukunftsperspektiven im Naturschutz
Die fortschreitenden Bedrohungen für die Biodiversität verlangen nicht weniger als eine Transformation des Verständnisses, der Methoden und des gesellschaftlichen Stellenwerts des Naturschutzes. Wichtige Verschiebungen der Prioritäten werden in nächsten Jahren voraussichtlich:
Von statischer Bewahrung hin zur aktiven Wiederherstellung und Resilienzsteigerung
Von exklusivem Schutz seltener Arten zu multifunktionalen Landschaften, die Biodiversität, Ökosystemleistungen und menschliche Wohlstandsziele integrieren
Von sektoral getrennten Politiken zu integrativen Klima-Biodiversitätsstrategien, die auch Sozial- und Gesundheitsaspekte (One Health) umfassen
Von Expertendomänen zu partizipativen, transdisziplinären Prozessen mit starker Rolle von Zivilgesellschaft, Unternehmen, Landwirt:innen und indigenen Gruppen
Von rein nationalen Programmen zu mehrstufigen, internationalen, vernetzenden Multi-Governance-Modellen
Innovative Ansätze wie naturbasierte Lösungen, digitale Biodiversitätsüberwachung, biodiversitätsfreundliches Carbon Dioxide Removal, neue Geschäftsmodelle in der Finanzwelt („Sustainable Finance“), Stärkung der urbanen Natur, gezielte Förderung von Resilienz sowie die systematische Integration traditionellen Wissens sind dabei nicht länger Experiment, sondern werden zum Kern künftiger Naturschutzpolitik und -praxis.
Wie weit diese Transformation gelingt, wird wesentlich davon abhängen, ob die politischen, finanziellen, sozialen und technischen Rahmenbedingungen jetzt und konsequent angepasst werden – und ob die Zielkonflikte (zwischen Ernährungs- und Energiesicherheit, Wirtschaftswachstum und Biodiversität, sozialer Gerechtigkeit und Naturschutz etc.) transparent angegangen und im Sinne eines globalen Gemeinwohls gelöst werden223.
Der Weg zum Schutz der Biodiversität angesichts des sich verstärkenden Massensterbens ist somit nicht nur ein ökologisches, sondern ein zutiefst gesellschaftliches und kulturelles Transformationsprojekt. Mit der Bündelung aller Kräfte – von individueller Verhaltensänderung, technischer Innovation, ökonomischer Lenkung, partizipativer Politik bis zu internationaler Zusammenarbeit – bleibt die Trendwende erreichbar. Doch sie erfordert Entschlossenheit, Verbindlichkeit und Kreativität auf allen Ebenen.
Meine Überlegungen dazu
Verweise:
Deutsche Kurzfassung Workshop-Bericht - UFZ
Naturschutz der Zukunft
Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030 - BMUV
Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework
Der Beschluss von Montreal zum Schutz der Natur - BMUV
IPBES-IPCC Workshop-Bericht zu Biodiversität und Klimawandel kurz vor ...
Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt | BfN
Klimaresilienz von Ökosystemen | Ecologic Institut
UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen 2021-2030
Naturbasierte Lösungen für den Klima- und Biodiversitätsschutz
Thuenen: Beprobung für eDNA-Analysen
Revolution in der Biodiversitätsforschung - Unser eDNA-Projekt
Mit Umwelt-DNA Biodiversität erfassen | Naturschutz.ch
„Wir haben die Lösungen schon!“ – Was wir mit Indigenem Wissen über ...
Indigene Völker und Naturschutz - WWF Deutschland
Indigene Völker und Naturschutz - das-wissen.de
Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework - UNEP
EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 - EUR-Lex
EU-Biodiversitätsstrategie 2030
BMUKN: Biologische Vielfalt in Europa
Die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030
BMUKN: Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt
Biodiversität und Finanzwelt - BfN
Deutschland steigert seine internationale Finanzierung für biologische ...
Naturschutz und Klimawandel – eine nationale Aufgabe | BFN
Naturbasierte Lösungen – Wikipedia
Was sind Nature-based Solutions? | myclimate Deutschland
Die UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen | UN Dekade Ökosysteme
BMUKN: #GenerationRestoration: UN-Dekade zur Wiederherstellung von ...
Urban Gardening: Biodiversität - Lebensräume für Bienen & Co.
Urban Gardening: Schlüsselrolle in der Stadtökologie 2025
Resilienz (Ökosystem) – Wikipedia
Die Resilienz von Ökosystemen – Campus Goes Biodiverse
IÖW: Carbon Dioxide Removal: Empfehlungen für eine ...
„Beim CO2-Removal gibt es keine Wunderwaffe” - LMU München
Agroforstsysteme und Naturschutz - NABU
PowerPoint-Präsentation
Agroforst und ihr Potenzial zur Förderung des Bodenlebens
Political Vision: The 10 Point Plan for Financing Biodiversity
Biodiversität: Bedeutung für Unternehmen und Investoren
Biodiversität in Unternehmen | Potenziale und Projekte - BfN
Biodiversitätsmanagement für Unternehmen - WWF Österreich
Gärtnern für mehr Biodiversität in der Stadt | Ökologisches ...